Ratgeber: Wie finde ich die geeignete Stirnlampe? Die Top 10 Liste zum Abhaken

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Aufgrund zahlreicher Diskussionen bei Facebook und in diversen Foren weiß ich, dass dieses Thema schon fast religiöse Züge annehmen kann. Ich will darum hier mal keine direkten Produktempfehlungen aussprechen, sondern die 10 Punkte aufführen, auf die du meiner Meinung nach achten solltest.
Ganz unten auch als kompakte Checkliste

1. Stärke

Eine Lampe für Läufer muss hell genug sein. Wenn es extrem helle Stufen für Notsituationen gibt (Vermisstensuche, weggelaufener Hund, kaum erkennbare Wegmarkierungen) ist es schön, zum Laufen ist das aber völlig unnötig. Das blendet meist nur und die Augen adaptieren sich ans helle. 300 – 400lm sind eigentlich völlig ausreichend für Trails, bis 600lm evtl. im sehr technischen Geläuf.

  1. Im Beispiel: links ist „too much“ (2300lm!), rechts reicht völlig aus!

2. Ausleuchtung

Stärke ist nicht alles – für mich sogar eher zweitrangig. Viel wichtiger ist die Ausleuchtung. Eine homogene Ausleuchtung ist für mich das a und o einer guten Lampe. Hier kranken vor allem günstigere Lampen häufig. Diese haben einen starken Mittelspot und wenig Licht an den Rändern. Dadurch läuft man im Extremfall wie im „Tunnel“. Ein bisschen Mittelspot ist ok, der erleichtert den Blick in die Weite, aber der Übergang zum Rest sollte dann fließend sein.
Bei einem Spot in der Mitte „wackelt“ das Lichtbild durch die Laufbewegung des Kopfes auch deutlich – mich nervt das. Bei einem homogenen Lichtbild ist das nicht der Fall.
Ein Spot ist dafür notwendig für schnelle Sportarten wie Biken, Skifahren. Bei manchen Lampen kann man 2 verschiedene LED-Einheiten (Spot/ Wide) getrennt konfigurieren (z.B. div. Silva, Fenix oder Olight) oder aber es gibt eine fokussierbare Optik (z.B. Led Lenser).

Im Beispiel: zu spotlastig, homogen und ein „Mittelding“…

3. Gewicht/ Komfort

Hier hat man stets abzuwägen, was einem wichtiger ist. Wenig Gesamtgewicht – gute Ausgewogenheit der Lampe – lange Leuchtdauer. Alle drei zusammen geht leider nicht. Vielleicht kommt da ja mal eine völlig neue Akkutechnologie…Einteilige Lampen (nur Lampenkopf vorne, Akku im Leuchtkopf) sind kompakt und passen meist gut in die Tasche. (z.B. die Petzl Tikka-/ Reactik- Serie, alle Armyteks, Olight H1 und H2, die meisten Black Diamond und viele andere).
Hier darf der Lampenkopf aber nicht zu schwer werden und vor allem nicht zu weit außen sitzen (Hebelgesetze!).
Ein Kabelbruch kann hier – je nach Konstruktion- nicht passieren, die robusteste Lösung.

Bei zweiteiligen Lampen gibt es die Versionen mit Akkupack am Hinterkopf, das ermöglicht meist eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Zu schwer sollten die Rückteile aber nicht werden, eine 18650 oder 3x AA sind da für mich das sinnvolle Maß.

Dann gibt es noch die Lampen, bei denen ein leichter Lampenkopf am Stirnband hängt und der Akku per Kabel verbunden im Laufrucksack oder Laufgürtel steckt.
Das ermöglicht große Akkus und einen „leichten Kopf“, aber das Kabel kann nerven und es ist mühsamer der Rucksack auf- und ab zu ziehen.

Die meisten Lampen tragen sich übrigens mit einem Buff oder einer Mütze darunter besser.

4. Leuchtdauer

Die hängt stark von Leuchtstärke und Akku ab, Für ein abendliches Straßentraining reichen da meist 2h, für einen Ultra sollten es schon so Minimum 8h (bei sinnvollem Licht ) sein…
Das kann nur jeder für sich selbst entscheiden.

5. Akku

Ich persönlich mag Standardformate, also AA oder 16340 / 18650. Da bekomme ich günstig Ersatz ohne mir die meist überteuerten Spezialakkus der Hersteller anschaffen zu müssen. Meist sind bei Rennen auch Ersatzakkus/ Batterien vorgeschrieben – man kommt also auch bei einer langen Laufzeit nicht drumrum.AA liefern zwar wenig Energie pro Gewicht, sind aber dafür auch fast in der Berghütte zu bekommen. Ich bevorzuge aber Li-Ion 18650. Da bekommt man für unter €10 schon ein Hochleistungsmodell. Das bekomme ich auch noch 2020, dann höchstwahrscheinlich sogar mit deutlich höherer Kapazität. Bei einem speziellen Herstellerakku muss ich froh sein, wenn ich überhaupt noch einen Altakku aus Lagerbeständen bekomme. Eine Ausnahme macht da vermutlich Lupine, die halten schon seit Jahren am eigenen System fest und das geht vermutlich auch so weiter.
Gut ist es auch, wenn im Notfall Batterien genutzt werden können (meist CR123A bei 16340 und 2xCR123A bei 18650). Die können dann auch im „Notfallpack“ bleiben.

Tipp für AA: Li-Ionen Batterien – deutlich teurer, aber leichter und kaum Selbstentladung und Kälteempfindlichkeit – ideal für Backupbatterien im Notfallbeutel.


6. Bedienung

Ich finde der Punkt wird häufig unterschätzt. Eine gute Lampe besitzt eine simple Bedienung. Ich brauche kein 15 Laufmodi und 4 Blinkmodi, wenn ich dafür beim wechseln zwischen den Stufen im dunkeln stehe (sehr häufig zwischen hellster und schwächster Stufe) oder in den Powermodus nur durch einen Vierfachklick bei gleichzeitigem drücken des großen Zehs gelange…
3-4 reguläre Leuchtmodi reichen eigentlich aus.
Wenn ich die Modi selbst im Vorfeld konfigurieren kann und sie dann ebenso einfach zu nutzen sind, dann ist das natürlich auch ok (Petzl mit der Smartphone App, Lupine).
Hier gilt aber -wie bei vielem- sei mit deiner Stirnlampe vertraut!Die Bedieneinheiten sollten groß genug sein und im Winter auch mit Handschuhen noch gut greifbar – keine schwer ertastbaren Miniknöpfe (z.B. an der Petzl Reactik) und möglichst auch nur ein Knopf, maximal zwei.

7. Features

Heutige Stirnlampen haben eigentlich alle noch Sonderfeatures, sei es eine Rotlichtfunktion, USB-Lademöglichkeit, Powerbankfunktion, App-Steuerung,…Was davon ist notwendig?
Rot-, Grün und Blaulicht: Grün- und Blau ist was für Angler und Jäger. Rotlicht kann nützlich sein, wenn man im dunkeln kurz mal Licht will, aber die Augen sich nicht adaptieren sollen. z.B. für den Gang aufs Örtchen o.Ä.
Rotlicht mit Blinken kann auch eine dauerhafte Markierung sein (Tauchausstieg, Warnlampe,…).
Rotlicht ist nützlich – sonstige Lichtfarben – wer es braucht…

USB-Ladefunktion:
Der Trend 2016 und 2017. Viele Lampen können per speziellem USB-Kabel oder besser noch per Micro-USB- Stecker geladen werden. Der Micro-USB-Stecker muss leider immer speziell abgedichtet werden und senkt die Wasserfestigkeit.
Unterwegs kann man so per Powerbank nachladen.
Ich mag es, weil man im Urlaub so auf ein Ladegerät verzichten kann. Bei einem Rennen ist aber ein echter Ersatzakku vermutlich die bessere Wahl!
Für 18650 gibt es auch Ladegeräte die nur 10-20g wiegen.
Manche Lampen kann man auch während des Ladens betreiben. Dann hat man sozusagen einen eingebauten und einen externen Akku.
USB-Ladefunktion: Sehr nützlich, aber nicht unbedingt notwendig.

Powerbank-Funktion:
Hier steht einem dann eine echte USB-Buche zur Verfügung, mit der man andere Geräte aufladen kann. Das ist nur bei Akkupacks mit hoher Kapazität sinnvoll (mind. 2×18650, besser 4×18650). Zusätzlich braucht man noch ein passendes Ladekabel für Uhr oder Smartphone.
Powerbank-Funktion: Nützlich, wenn der Akku groß genug ist

Rücklichtfunktion:
Leuchten mit Akku-Rückteil am Hinterkopf haben öfters mal eine rote LED. Auf der Straße ein tolles Feature und auch bei einigen (v.a. spanischen) Rennen ist das vorgeschrieben. Wenn nicht, dann gibt es diese kleinen roten Rücklichter aber auch zum aufstecken (Mammut Burny, Silva Tyto red, und auch bei der Aldi-Stirnlampe war so was dabei).
Sehr sinnvoll!

Akkuanzeige:
Viele Lampen zeigen durch blinken beim Einschalten den Ladezustand an -da passe ich eigentlich nie auf und 7x lang und 4x kurz für 7,4V ist jetzt nicht unbedingt das, was ich wissen will…
Andere haben mehrere LED, häufig sind es nur 3, das ist dann recht grob.
Andere machen das farblich (grün, orange, rot). Lupine hat das mit den Smartcore Akkus sehr gut gelöst, bei Petzl (Reactix+) kann ich den genauen Stand auch per Smartphone-App ablesen.
Naja, ich kann drauf verzichten und schaue einfach, dass die Akkus regelmäßig geladen werden. Bei einem schlechten Akku (billiger China 18650) stimmt die Anzeige sowieso nur selten, da ich dort schon extreme Abweichungen (echte 800mAh bei angegeben 3500mAh) festgestellt habe und hier der Sicherheitsbereich des Akkus häufig auch komplett ausgenutzt wird – sprich tiefentladen.
Gut finde ich die Funktion, bei der sich die Lampe akustisch (Olight HS2) oder per blinken ausreichend lange vor dem Abschalten meldet, so dass man noch mit Licht den Ersatzakku suchen kann…

Automatische Regulierung
Kenne ich eigentlich nur von Petzl (Reactik+, Nao). Hier misst ein Sensor das zurückfallende Licht und blendet die Lampe ab. Damit kann man die Lampe bei Dämmerung einschalten und vergessen. Sobald es dunkel wird, wird sie heller.
Blickt man in den Nahbereich (Uhr, Karte) ebenfalls.
Das funktioniert überraschend gut und spart enorm Akku. Probleme gibt es bei Schnee (hier wird selten die volle Leistung erreicht) und beim Ausatmen im Winter (mit jeder Atemwolke blendet die Lampe ab).
Durchaus sinnvoll, zumindest sehr komfortabel.

reflektierende Decals
leider noch nicht bei allen Herstellern Standard: reflektierende Aufdrucke auf dem Stirnband.
Da spricht eigentlich nur eine militärische Nutzung dagegen.
Unbedingt Empfehlenswert!

8. Regulierung

Völlig unbeachtet bleibt meist die interne Regulierung der Lampe. Die wenigsten Hersteller geben hier Details bekannt.
Die einen werden über die Laufzeit einfach immer schwächer, die anderen schalten mehr oder weniger zügig die Leuchtkraft in Stufen herunter. Sei es, weil die Lampe zu warm wird, oder der Akku nachlässt. Manche Lampen kann man nach dem Abregeln wieder heller schalten (z.B. Fenix), andere bleiben schwächer, wieder andere schalten auch selbstständig wieder hoch, wenn die Lampe ausreichend abgekühlt ist.
Nur so sind auch viele Laufzeitangaben der Hersteller zu erreichen. Ja, die Lampe erreicht 8h auf „stärkster Stufe“, aber auch nur weil die „stärkste Stufe“ eben nach 10min nicht mehr 1000lm ist, sondern nur noch 300lm und nach 30min nur noch 150lm usw. Also nicht gelogen…
Häufig gibt es auch einen „Turbomodus“ der manchmal nur 10s durchhält, manchmal aber auch 1min oder 3min (z.B. bei Olight). Letzteres ist dann durchaus für kürzere schwierige Trailpassagen brauchbar. 1min und weniger eher was für die kurze Suche nach einem Schild usw.Was macht die Lampe am Laufzeitende? Geht sie abrupt aus? Schaltet sie herunter? Wenn ja wie weit? Manche haben dann einen Glühwürmchenmodus, der gerade mal ausreicht die Lampe selbst zu finden…
Warnt sie vor dem Abschalten?Hier gibt es kein richtig oder falsch. Wenn eine Lampe die kontinuierlich schwächer wird, dann merkt man das kaum, da das Auge sich daran gewöhnt. Nutze ich aber einen Ersatzakku dann möchte ich vielleicht lieber bis zum Ende „volle Power“ haben…

 

9. Universalität

Manche Lampen sind sehr universell einsetzbar, entweder über Zubehör (z.B. Lupine bietet alles von der Radhalterung bis zum Go-Pro-Mount, Silva liefert bei einigen Modellen die Radhalterung gleich mit,..) oder aber direkt (z.B. die Stablampenform bei Armytek und Olight). Stablampen ergeben auch eine gute Taschenlampe für die Handtasche und sind mit einer einfachen Halterung auch am Rad einzusetzen. Bei Stirnlampen geht das meist nicht. Die wenigsten Stirnlampen passen problemlos an einen (Rad-) Helm.

10. Sonstiges

Preis:
Eine brauchbare Stirnlampe inkl. einem Ersatzakku und Ladegerät erhält man schon für deutlich unter €100. Es ist aber auch kein Problem mehr auszugeben.
Bei Lupine ist man zwar ab €200 dabei (ohne Zusatzakku), aber mit Zubehör (Kabel, Ersatzakku, USB-.Ladekabel, div. Halterungen) kann man da auch deutlich mehr als €500 investieren.
Ob man das braucht, oder ob das nur ein Statussymbol ist, muss jeder für sich entscheiden.
Extrem günstige „Chinalampen“ haben meist eine ungünstige Leuchtverteilung und häufig miserable Akkus.

Farbe:
bunte/ helle Stirnlampen findet man im Rucksack und vor allem im Camp besser als schwarze.

Lichtfarbe:
Eine LED mit warmem Licht ist deutlich angenehmer für die Augen und besser bei Nebel/ schlechter Sicht. Meist ist Warmlicht aber etwas lichtschwächer als das Kalte.
Trotzdem: ich bevorzuge „warme“ Lampen!

Im Bsp: Warm vs. Kalt

Fazit:

Ich hoffe ihr konntet erkennen, dass es „DIE“ ideale Stirnlampe nicht gibt und auch nicht geben kann. Dennoch wird jeder „SEINE“ perfekte Stirnlampe finden, zumindest die perfekte für einen bestimmten Anwendungsbereich.
Ich hoffe mal, dieser Ratgeber hilft dir bei der Suche!

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