Bivi oder Bifi? Biwakkonzepte im Vergleich…

Zur Bifi – Seite der Überschrift, also der Ernährung im Biwak komme ich in einem späteren Beitrag noch, heute will ich euch mal 3 Konzepte zum Biwakieren vorstellen.

Schutzhülle – Biwaksack – Leichtzelt

Hier mal die drei im Überblick…

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Coleman Rigel X2 – OR Molecule Bivy – Lacd Light I

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Lacd Light I- OR Molecule Bivy – Coleman Rigel X2

LACD Light I

Einmal ein einfacher Biwaksack von LACD, der Light I. Wasserabweisendes Nylon-Material (nicht atmungsaktiv), innen alubeschichtet. Am Fußende per Klett zu öffnen.
Am Kopfende ein einfacher Kordelzug. Also eher ein wasserabweisender Schlafsacküberzug. Für den Notfall aber sicher ok und mit gerade mal 266g sehr leicht, dazu extrem kompakt. Preis liegt bei um die €35

Es gibt von LACD auch noch einen „Superlight I“, der ist aber eher eine dickere Rettungsdecke und hält keine regelmäßige Benutzung aus. Dafür wiegt er auch nur 136g und kostet ab €10. Beide Versionen gibt es auch in 2-Personen-Ausführung.
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Fazit Lacd Light I:

Ein ultraleichter Sack für den Notfall oder seltenen Gebrauch. Deutlich stabiler und besserer Schutz als eine Rettungsdecke.

 

Outdoor Research Molecule Bivy

Dann kommen wir zum zweiten Kandidaten, dem Outdoor Reseach (OR) Molecule Bivy.
Das ist ein solider Biwaksack, den man auch voll verschließen kann und der zusätzlich noch ein Moskitonetz bietet.
Mit 626g schon deutlich schwerer, aber auch wesentlich solider und mit mehr Features ausgestattet.IMG_2032_Biwak.JPG

Der Sack besitzt einen wasserdichten und fungizid beschichteten Boden, der ist recht dick und unempfindlich. Dazu eine atmungsaktive Hülle (Ventia 2,5 Layer).
Verschlossen wird das ganze durch (Zweiweg)- Reißverschlüsse (sowohl Hauptverschluss wie auch Moskitonetz)

Daneben gibt es noch eine (moskitonetzgeschützte) Lüftungsöffnung am Fußende und diverse Abspannmöglichkeiten für Heringe bzw. Schnüre.

Im Unterschied zu anderen OR Biwaksäcken wie Alpine Bivy oder Helium Bivy (die beiden deutlich teurer sind), gibt es hier keinen Gestängebogen über der Gesichtsbereich (sogenannte „Hooped Bivys“). Man sollte das Bivy unbedingt nach oben abspannen.
Dazu können aber auch (außen angebrachte) Skistöcke dienen. Etwas Schnur, oder Paracord muss aber unbedingt mit. Wie man oben sieht, ist der Raum über dem Gesichtsbereich kleiner als bei den „Hooped Bivys“ mit Gestängebogen an der Stelle.

Das Raumgefühl liegt irgendwo zwischen kleinem Zelt und Leichensack…
Nutzt man es im Sommer nur mit dem Moskitonetz (abgespannt) so ist es recht angenehm. Vor allem bei Touren außerhalb des Hochgebirges (Mückengrenze!) sicher sehr praktisch. z.B. für Touren in Skandinavien oder unseren Mittelgebirgen.

Wenn man es nicht abspannt, dann ist es zum einen sehr unangenehm, besitzt eine deutlich größere Kondenswasserbildung und das Moskitonetz bringt dann auch kaum etwas.
Generell sollte man den Sack eine Handbreit offen lassen, zum einen traue ich der Atmungsaktivität nicht so viel zu, zum anderen wird so die Kondenswasserbildung gemindert.
Bei meinem Test (Außentemperatur 10-12°C, etwas Wind, kein Regen nur Morgentau war etwas Kondenswasserbildung zu beobachten, aber es hielt sich in Grenzen. Der Haupt-RV war 10cm offen, dazu die Fußbelüftung. Beides ist gut überlappt, so dass normaler Regen nicht eindringen sollte.

Einen 30l Rucksack bekommt man locker ans Kopfende. Es gibt den Molecule auch in einer Langversion (228cm), der „regular“ ist 214cm lang.

Maße: 214cm lang, 64cm/53cm breit, Innenhöhe max. 46cm

Ich habe für den Sack €77 gezahlt (Regulär bei PM-Outdoor.de), das ist aber der Ausverkaufspreis  von €96 + einen €20 Treuegutschein, der mir ins Postfach geflattert ist).  Straßenpreis liegt normal bei €130. Hier würde ich aber dann die €30-40 Mehrpreis für ein Helium-Bivy wählen, das ist 100g leichter und besitzt einen Gestängebogen sowie eine atmungsaktivere Membran.

Fazit OR Molecule Bivy

Ein Biwaksack für den regelmäßigen Gebrauch, der einen sehr guten Wetter und Mückenschutz bietet. Für ein besseres Raumgefühl eher das Helium oder Alpine- Bivy wählen. Sollte abgespannt werden…

 

Coleman Rigel X2

Das ist nun definitiv kein Biwaksack, sondern ein ausgewachsenes (?) Zelt. Laut Coleman zwar ein 2 Personenzelt, aber Aufgrund des schmalen Fußbereiches eher für eine Person + Gepäck (oder einen Hund).

Mit 100g nochmals um über 350g schwerer als das Molecule, dafür aber viel mehr Platz.IMG_2030_Biwak

Es besitzt 2 Bögen (Alu) und muss mit mindestens 2 Heringen abgespannt werden. Besser mit 5. Aber Auf- und Abbau sind in unter 3min zu schaffen.
Das Zelt ist nur einwandig und eher für den Sommer gemacht. bei starkem seitlichem Regen kann Wasser durch das (überspannte) Moskitonetz am Dach gelangen.

Ich habe meines mal gebraucht bei Ebay gekauft, das Modell ist nicht mehr aktuell, aber es geht hier ja eher um einen Konzeptvergleich!

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abgedecktes Moskitonetz

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toller Blick!

Das Zelt bietet daneben auch noch 2 regengeschützte Lüftungsöffnungen an Kopf- und Fußebereich, daneben noch eine Brillen-/ bzw. Taschenlampentasche.

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großer Einstieg

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Lüftungsöffnung

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gutes Raumgefühl (zumindest für eine Person…)

Fazit Coleman Rigel X2

Mit 1000g ein extrem leichtes und recht klein verpackbares Zelt, aber nur für den Sommer und nicht für starken Wind oder Regen. Dafür hat man aber (verhältnismäßig) viel Platz.

 

Was denn nun?

Ein drittes Konzept habe ich hier nicht aufgeführt, einfach Mangels Erfahrung, nämlich das Tarp bzw. Tarp- Tent. Aber hier könnt ihr mir vielleicht noch Erfahrungen liefern!

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Größenvergleich

Im Größenvergleich fällt auf, dass das Molecule Bivy nur wenig kleiner ist als das „echte“ Zelt, dafür hat es aber keine festen Stangen, was das Pack „knautschbar“ macht. Das LACD passt im Prinzip überall noch mit rein. Ich habe es auch auf meinen Skitouren als Sicherheitsausrüstung mit dabei.

1000g zu 625g zu 266g – das sind schon deutlich Unterschiede!

Ein Vorteil der Biwaksäcke ist der schnelle Auf- und Abbau. Ob man damit weniger Probleme beim Übernachten bekommt als mit einem kleinen Zelt weiß ich nicht. Generell ist „Biwakieren“ eher erlaubt als „Campieren“.
Aber da man das OR Molecule auch ausspannen sollte, fällt dieser Vorteil schon fast weg.
Ein weitere Vorteil von Bivys ist der deutlich kleinere „Fußabdruck“. Man braucht keine große, ebene Fläche und kann so eher mal eine Nische ausnutzen. Dazu ist bei (fast!) geschlossenem Reißverschluss der Wind- und Wetterschutz Top. Das kann man nicht von jedem Zelt sagen und sicher nicht von einer offenen Tarp-Konstruktion.

Aktuell erscheint mir der OR Molecule als ein interessanter Kompromiss, auch weil man seinen Rucksack + Schuhe in den Sack mitnehmen kann. Zur Not kann man darin sogar etwas lesen…
Aber so ganz überzeugt bin ich von keinem der drei…
Vielleicht bastle ich mir auch noch einen Moskitoschutz für den Lacd…

Eine Entscheidung bleibt bei Dir!

Wie macht ihr es denn so? Schreibt mir doch einfach in die Kommentare!

Aber egal für was ihr euch entscheidet, nehmt unbedingt Rücksicht auf eure Mitmenschen und die Umwelt! Kein Müll, möglichst kein offenes Feuer und möglichst keine Spuren!

Ansonsten sind Microadventures in Deutschland bald nicht mehr möglich.

Zum Nachdenken, hier ein Beitrag vom bayrischen Rundfunk übers zunehmende Bergcamping…

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau-der-sueden/camping-allgaeu-alpen-100.html

 

Ein Gedanke zu “Bivi oder Bifi? Biwakkonzepte im Vergleich…

  1. Sehr interessanter Beitrag! Ich habe bislang immer nur mit Schlafsack biwakiert, was leider ungemütlich wird, sobald es kühler bzw. windig ist. Den Helium-Bivy werde ich mal genauer unter die Lupe nehmen – danke für die Empfehlung 🙂

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